
Erdwärme-Tiefenbohrung: Ablauf und Kosten
Von der Genehmigung bis zur verfüllten Sonde — Ablauf, Kosten pro Meter, Risiken.
Eine Erdwärmebohrung kostet 60 bis 120 Euro je Meter, inklusive Sondenmaterial und Verfüllung. Für ein Einfamilienhaus mit 10 Kilowatt Heizlast werden typischerweise 160 bis 200 Bohrmeter benötigt, also 10.000 bis 20.000 Euro. Voraussetzung ist eine wasserrechtliche Erlaubnis.
Wie viele Meter gebohrt werden müssen
Die Bohrtiefe folgt aus der Entzugsleistung des Untergrunds und der Kälteleistung der Wärmepumpe. Übliche Entzugsleistungen liegen bei 35 bis 55 Watt je Meter, abhängig vom Gestein und den jährlichen Betriebsstunden.
Für eine Wärmepumpe mit 10 Kilowatt Heizleistung und einer Leistungszahl von 4,5 werden dem Erdreich rund 7,8 Kilowatt entzogen. Bei 45 Watt je Meter ergibt das etwa 173 Meter, üblicherweise aufgeteilt auf zwei Bohrungen à 90 Metern. Die genaue Auslegung erfolgt nach VDI 4640.
Der Ablauf in fünf Schritten
Von der Anfrage bis zur betriebsfertigen Sonde vergehen typischerweise drei bis sechs Monate, überwiegend wegen des Genehmigungsverfahrens.
- Standortprüfung
Abgleich mit den geologischen Karten des Landesamts, Prüfung auf Wasserschutzgebiete, Altlasten und bekannte Karst- oder Gipsvorkommen. Ergibt die Machbarkeit und die voraussichtliche Bohrtiefe.
- Wasserrechtliche Erlaubnis
Antrag bei der unteren Wasserbehörde mit Lageplan, Sondendaten und Angaben zum Bohrunternehmen. Bearbeitungsdauer meist vier bis zwölf Wochen.
- Bohrung
Ein bis drei Tage je Sonde. Das Bohrgerät braucht etwa drei Meter Durchfahrtsbreite und einen Arbeitsbereich von rund 60 Quadratmetern. Bohrschlamm wird abgefahren.
- Sondeneinbau und Verfüllung
Doppel-U-Sonden aus Kunststoff werden eingebracht und mit einer Bentonit-Zement-Suspension verpresst. Die Verfüllung ist entscheidend für Wärmeübergang und Grundwasserschutz.
- Druckprobe und Anbindung
Dichtheitsprüfung, Verlegung der Zuleitungen zum Haus, Anschluss an den Soleverteiler, Befüllung mit Sole und Entlüftung.
Risiken und wie man sie begrenzt
Bohrungen sind Eingriffe in den Untergrund. Bekannte Schadensfälle wie in Staufen im Breisgau entstanden, als Bohrungen quellfähige Anhydritschichten durchstießen und Wasser zuführte. Solche Formationen sind heute kartiert und Bohrungen dort untersagt oder streng auflagenbehaftet.
Praktisch schützen zwei Dinge: ein nach DVGW W 120-2 zertifiziertes Bohrunternehmen und eine Bohrversicherung, die Mehrkosten bei unerwarteten Untergrundverhältnissen abdeckt. Beides sollte im Angebot ausgewiesen sein. Fehlt die Zertifizierung, erteilt die Wasserbehörde in der Regel ohnehin keine Erlaubnis.
Das werden wir oft gefragt
Was kostet die Bohrung pro Meter?
60 bis 120 Euro, je nach Geologie, Bohrtiefe und Region. Enthalten sind üblicherweise Bohrung, Sondenmaterial, Verfüllung und Druckprobe. Anfahrt, Genehmigungsgebühren und die Zuleitungen zum Haus werden oft separat berechnet.
Kann im Keller gebohrt werden?
Technisch mit Kleinbohrgeräten möglich, aber aufwendig und teuer. Die Deckenhöhe begrenzt die Gestängelänge, was die Bohrzeit deutlich verlängert. Bei Neubauten wird deshalb vor der Bodenplatte gebohrt, im Bestand von außen.
Wie lange dauert das Genehmigungsverfahren?
Vier bis zwölf Wochen, in Einzelfällen länger. Da der Förderantrag ohnehin vor der Auftragsvergabe gestellt werden muss, lassen sich beide Verfahren parallel führen — wir stimmen die Reihenfolge im Projektplan ab.
Passend zu diesem Thema
Gemeinsam zu einer nachhaltigen Zukunft
Sichern Sie sich Ihre kostenlose und unverbindliche Beratung. Wir finden die passende Energielösung für Ihr Zuhause.
