
Erdwärmepumpe: Technik und Voraussetzungen
Konstante Quelle statt schwankender Außenluft — Technik, Voraussetzungen, Grenzen.
Die Erdwärmepumpe nutzt die konstante Temperatur des Erdreichs von 8 bis 12 Grad, erschlossen über Erdsonden oder Flächenkollektoren. Sie erreicht Jahresarbeitszahlen von 4,0 bis 5,0, braucht aber ein geeignetes Grundstück und meist eine wasserrechtliche Genehmigung.
Warum das Erdreich die bessere Quelle ist
Ab etwa zehn Metern Tiefe schwankt die Bodentemperatur über das Jahr kaum noch und liegt konstant bei acht bis zwölf Grad. Während die Luftwärmepumpe im Januar gegen minus zehn Grad arbeiten muss, hat die Erdwärmepumpe dann dieselbe Quellentemperatur wie im Juli.
Der kleinere Temperaturhub bedeutet weniger Verdichterarbeit. Hinzu kommt: Es gibt kein Außengerät mit Ventilator, keinen Abtaubetrieb und keine Schallemission zur Nachbarschaft. Für dicht bebaute Grundstücke mit strengen Lärmanforderungen ist das oft das entscheidende Argument.
Voraussetzungen am Grundstück
Nicht jedes Grundstück eignet sich. Diese Punkte klären wir, bevor ein Angebot entsteht:
- Zufahrt für das Bohrgerät
Ein Bohrgerät braucht eine Durchfahrtsbreite von etwa drei Metern und tragfähigen Untergrund. Bei Reihenhäusern ohne seitliche Zufahrt scheitert die Erdsonde häufig genau daran.
- Geologie
Festgestein leitet Wärme besser als trockener Sand, was die nötige Bohrtiefe beeinflusst. Die geologischen Landesämter stellen Karten mit Entzugsleistungen bereit, die als Grundlage der Auslegung nach VDI 4640 dienen.
- Wasserschutzgebiet
In Zone I und II sind Bohrungen praktisch ausgeschlossen, in Zone III oft nur mit Auflagen zulässig. Das prüft die untere Wasserbehörde im Genehmigungsverfahren.
- Freie Fläche beim Kollektor
Der Flächenkollektor braucht etwa die eineinhalb- bis zweifache beheizte Fläche, unversiegelt und nicht überbaut. Rasen und Beete sind unproblematisch, tief wurzelnde Bäume nicht.
Der unterschätzte Vorteil: passive Kühlung
Erdwärmeanlagen können im Sommer nahezu kostenlos kühlen. Bei der passiven Kühlung wird die kalte Sole ohne Verdichterbetrieb direkt durch die Flächenheizung geführt; es läuft nur die Umwälzpumpe mit wenigen Watt Leistungsaufnahme.
Das senkt die Raumtemperatur um zwei bis drei Grad und regeneriert zugleich das Erdreich, weil die Wärme aus dem Haus in den Boden eingespeist wird. Bei Luftwärmepumpen ist Kühlung nur aktiv möglich, also mit laufendem Verdichter und entsprechendem Stromverbrauch.
Das werden wir oft gefragt
Was ist der Unterschied zwischen Erdwärme und Geothermie?
Umgangssprachlich dasselbe. Fachlich unterscheidet man oberflächennahe Geothermie bis 400 Meter, die Wärmepumpen nutzen, von der Tiefengeothermie ab 400 Metern, die für Fernwärmenetze und Stromerzeugung eingesetzt wird.
Wie lange hält eine Erdsonde?
Die Sonde selbst 50 bis 100 Jahre, deutlich länger als die Wärmepumpe. Bei einem späteren Gerätetausch bleibt die Erschließung erhalten — ein oft übersehener Wertfaktor, der die Investition über zwei Gerätegenerationen rechtfertigen kann.
Kann ich Erdwärme im Altbau nachrüsten?
Ja, sofern das Grundstück zugänglich ist. Bei hohem Wärmebedarf lohnt der Effizienzvorteil sogar besonders. Die Heizflächen müssen genauso passen wie bei der Luftwärmepumpe — Erdwärme ersetzt keine zu kleinen Heizkörper.
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