
Wärmepumpe mit Photovoltaik betreiben
Wie viel Solarstrom die Wärmepumpe wirklich nutzt — mit Zahlen statt Werbeversprechen.
Eine PV-Anlage deckt im Jahresmittel 25 bis 40 Prozent des Wärmepumpenstroms, mit Stromspeicher und intelligenter Ansteuerung 45 bis 55 Prozent. Ein vollständiger Solarbetrieb im Winter ist nicht möglich, weil dann der Bedarf am höchsten und der Ertrag am niedrigsten ist.
Das Grundproblem: Erzeugung und Bedarf laufen gegenläufig
Eine Photovoltaikanlage liefert im Juni etwa das Zehnfache des Dezember-Ertrags. Die Wärmepumpe braucht im Dezember etwa das Zehnfache des Juni-Bedarfs. Diese Gegenläufigkeit ist der Grund, warum sich der Autarkiegrad nicht beliebig steigern lässt.
Realistisch ist eine Deckung von 25 bis 40 Prozent über das Jahr. Der Beitrag entsteht überwiegend in den Übergangsmonaten März bis Mai und September bis November sowie durch die sommerliche Warmwasserbereitung, die dann fast vollständig solar läuft.
Was die Deckung erhöht
Vier Maßnahmen wirken, in absteigender Wirksamkeit:
- Anlage groß genug auslegen
Für ein Einfamilienhaus mit Wärmepumpe sind 10 bis 15 Kilowatt Peak sinnvoll, statt der früher üblichen 6 bis 8. Der Zubau kostet je Kilowatt Peak nur noch etwa 1.100 bis 1.500 Euro und erhöht gerade den Winterertrag.
- Ost-West statt reiner Südausrichtung
Verteilt den Ertrag über den Tag und liefert morgens und abends, wenn die Wärmepumpe ebenfalls läuft. Der Jahresertrag sinkt leicht, der nutzbare Eigenverbrauch steigt.
- Stromspeicher ergänzen
Verschiebt Mittagsüberschüsse in den Abend. Erhöht die Deckung um etwa 10 bis 15 Prozentpunkte. Im Winter trägt er wenig bei, weil kaum Überschuss entsteht.
- Wärmepumpe smart ansteuern
Über SG-Ready oder EEBus lädt die Anlage Puffer und Warmwasserspeicher bevorzugt bei Solarüberschuss. Das kostet nichts extra, wenn beide Geräte die Schnittstelle mitbringen, und bringt fünf bis zehn Prozentpunkte.
Was die Kombination wirtschaftlich bringt
Ein Beispiel: Wärmepumpe mit 4.500 Kilowattstunden Jahresstrombedarf, PV-Anlage mit 12 Kilowatt Peak und Stromspeicher. Die Deckung liegt bei rund 50 Prozent, also 2.250 Kilowattstunden aus eigener Erzeugung.
Gegenüber dem Wärmepumpentarif von 25 Cent spart das etwa 560 Euro im Jahr, gegenüber der Einspeisevergütung ergibt sich ein zusätzlicher Vorteil von rund 180 Euro. Zusammen mit dem solar gedeckten Haushaltsstrom rechnet sich die Anlage typischerweise in zehn bis vierzehn Jahren.
Das werden wir oft gefragt
Kann ich die Wärmepumpe komplett mit Solarstrom betreiben?
Über das Jahr gerechnet nicht. Im Winter, wenn der Bedarf am höchsten ist, liefert die Anlage am wenigsten. Bilanziell über ein Jahr kann die Erzeugung den Verbrauch übersteigen, real bezogen wird im Winter trotzdem Netzstrom.
Wie groß sollte die PV-Anlage sein?
Für ein Einfamilienhaus mit Wärmepumpe empfehlen wir 10 bis 15 Kilowatt Peak, sofern die Dachfläche es hergibt. Faustregel: Haushaltsstrom plus Wärmepumpenstrom plus 30 Prozent Reserve für Elektroauto und künftigen Mehrbedarf.
Lohnt sich ein Stromspeicher für die Wärmepumpe?
Er erhöht die Deckung um 10 bis 15 Prozentpunkte, wirkt aber vor allem im Sommerhalbjahr. Bei aktuellen Speicherpreisen amortisiert er sich meist über den gesamten Haushaltsstrom, nicht über die Wärmepumpe allein.
Brauche ich einen zweiten Zähler?
Wenn Sie einen vergünstigten Wärmepumpentarif nutzen wollen, ja — dann wird der Wärmepumpenstrom getrennt gemessen. Das schließt die Eigenversorgung aus der PV-Anlage nicht aus, erfordert aber eine passende Messkonzeption. Wir klären das mit dem Netzbetreiber.
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